Natürlich Gärtnern mit Wurmkompost.

Helmut Schimmel hat sich aufgemacht, den Wurmkompost in unser Bewusstsein zu heben. Sein Buch trägt den provokanten Namen: „Kompostrevolution“. Ob es eine Revolution wird, bleibt abzuwarten. Für Helmut Schimmel ist der Wurmkompost jedenfalls ein entscheidender Beitrag zur Humusbildung.

Helmut Schimmel räumt auf mit alten Vorstellungen über unterschiedliche Rotteverfahren und weist die Agro-Chemie in ihre Schranken. Er beruft sich auf all die Vordenker und Pioniere unserer Zeit, die bewiesen haben wollen, dass die Pflanze nicht hauptsächlich von Stickstoff (N), Phosphat (P) und Kalium (K) sondern von den Mikroorganismen ernährt wird. Vor allem der Mikroorganismen, die sich in der Wurmlosung befinden.

Helmut Schimmel stellt die traditionelle, aerobe Kompostierung mit Heißrotte dem Vermi-Kompost (Wurmkompost) gegenüber. Er arbeitet sehr leidenschaftlich die Vorzüge des Wurmkompostes aus und stellt althergebrachte Methoden nicht selten als mangelhaft dar.

Sehr erfreulich ist bei dieser Publikation, dass es einen ausführlichen Praxis-Teil gibt. Beginnend mit einer kleinen Exkursion durch das Leben von Helmut Schimmel und, wie er „auf den Wurm kam“, werden die unterschiedlichen Wurmarten besprochen. Nicht nur die heimischen, wild vorkommenden Wurmarten finden Erwähnung; auch käuflich erwerbbare, gezüchtete Würmer wecken das Interesse für einen Wurmkompost. Sein Favorit: Eisenia foetida.

Ausführliche Schilderungen über den Erwerb und die Lebensbedingungen, sowie die Fütterung der kleinen Helfer leiten über zur Herstellung eines Wurmsilos. Es gibt eine kleine Bauanleitung, Pflegehinweise und ein extra Kapitel über die Überwinterung. Schimmel beschreibt seine Methode sehr anschaulich und weckt in einem die Lust, gleich mit dem Bau eines „Wurmhotels“ anzufangen. Zumal er darauf achtet, mit vorhandenen Materialien zu arbeiten. Damit der Praxis-Teil nicht zu trocken wird, sind immer wieder nette Anekdoten Schimmels eingestreut. Sehr schön.

Der Abschluss des Praxis-Teils bildet die Anwendung des Wurmhumus. Hier sind vor allem Gärtnerinnen und Gärtner angesprochen. Aber auch für Pflanzenliebhabende mit Balkon und Zimmerpflanzen gibt Schimmel wichtige Tipps. Damit endet auch das Thema Wurmkompost. Der zweite Teil des Buches gibt Hinweise für den Bioanbau im Allgemeinen. Fruchtfolgen, Mulchen, Gründüngung und einiges mehr werden vorgestellt. Das letzte Kapitel widmet sich eher einem philosophisch, politischen Ausblick.

Ich kann dieses Buch ohne Bedenken empfehlen. Es ist ein wertvoller Leitfaden für Ein- oder Umsteiger. Menschen, die mit ihrem Kompostverfahren zufrieden sind, können sich an vielen Stellen des Buches inspirieren lassen.

Was mir persönlich nicht sauber genug besprochen wurde, ist die Gegenüberstellung der Kompostverfahren. Zu einseitig und zu „wissend“ werden andere Verfahren polemisiert. Gerade bei der Heißrotte gibt es unterschiedliche Annahmen und Erfahrungen. Für Gerald Dunst ist die Heißrotte notwendig [Kompostierung 1997] und selbst im zitieren Buch von Annie France-Harrar – „Humus“ – gilt die Heißrotte nicht grundsätzlich als Problem. Die Ausführungen von Helmut Schimmel tragen meiner Meinung nach wenig zur Annäherung beider „Lager“ bei. Aber das ist wohl auch nicht Intention des Buches gewesen.

  • von Helmut Schimmel, 2014
  • 184 Seiten mit zahlreichen, vierfarbigen Abbildungen
  • Format 14,8 x 21,0 cm
  • Link zum Verlag: OLV
    Broschur

    Preis: 22,90 €

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