Viele Leute denken, je mehr Nährstoffe vorhanden sind, desto besser für die Pflanzen. Aber das Wachstum der Pflanze ist nicht gekoppelt an die Menge der Nährstoffe. Pflanzenwachstum hängt vom Nährstoffkreislauf ab, nicht von der Menge des zugegebenen Düngers. Das optimale Wachstum kann nur erreicht werden, wenn die optimale Menge der notwendigen Nährstoffe im richtigen Zeitpunkt zugegeben wird. Du kannst auch nicht drei Meter groß werden, wenn du das doppelte deines Bedarfs isst!

Zuviel Dünger ist nicht gut für die Planzen. Ändere gegebenenfalls deine Ansichten. Es ist wichtiger eine Umgebung zu schaffen, die den Pflanzen hilft zu nehmen, was sie brauchen – wenn sie es brauchen. Unkoordiniertes und übermäßiges Düngen bringt nur Krankheiten. Stell dich auf die Seite der Pflanzen, verstehe ihre Natur und fördere ihr gesamtes Potential.

Auch Samen sind Morgenmuffel

Pflanzen haben unterschiedliche Wachstumsphasen und sie sind dem Menschen sehr ähnlich. Sie sind Babies, Kinder, Teenager, Heranwachsende, Erwachsene und Alte. Ähnlich wie schwangere Frauen, leiden sie unter Schwangerschaftsübelkeit und bevorzugen saures Essen. Nicht nur Tiere sondern eben auch Pflanzen haben ähnliche Symptome, bevor sie die nächste Generation hervorbringen. Sie brauchen die richtige Nahrung in jeder Lebensphase.

Genau wie Kinder brauchen sie eine adäquate Nahrung in der richtigen Menge. Erwachsene haben wieder andere Bedürfnisse. Wenn diese Grundregeln misachtet werden, kommt es zu unerwünschten Ergebnissen. Trotzdem beachtet die konventionelle Landwirtschaft dieses Phänomen nicht. Mehr als die Hälfte der heutigen Düngemittel sind Basisdünger. Das ist als würde mensch einen Mann jeden Morgen betrunken machen.

Wenn 10 Tage nach der Wurzelbildung noch immer Wurzelfördernde Mittel gegeben werden, ist es als füttert mensch einen Betrunkenen ohne Hunger. Wenn er zum Essen gezwungen wird, bekommt er Bauchschmerzen – Pflanzen bekommen diverse andere Krankheiten. 45 Tage bevor die Ähren herauskommen, bilden sie sich im inneren der Pflanze. Das ist die Phase, wo die Pflanze Morgenübelkeit bekommt. Jetzt braucht sie besonders viel Nahrung – im Verhältnis zu ihrem Normalbedarf. Da die Pflanze jedoch im frühen Stadium zu viel Nahrung bekam, kann sie jetzt – in dieser wichtigen Phase – nicht mehr genug aufnehmen. Was passiert? Die Pflanzen werden hungrig und essen zuviel. 25 Tage bevor die Ähren schiessen. Damit wächst die Ähre aber die Anzahl der Körner steigt nicht. Das wird eine schlechte Ernte werden.

Sich nicht vollständig sättigen ist gut für den Magen. Die richtigen Nährstoffe zur richtigen Zeit ist entscheidend.

Unterschiedliche Phasen bedürfen unterschiedliche Behandlung

Manche vorurteilende Menschen behaupten, Natural Farming sei keine Wissenschaft sondern eine rückwärtsgewandte Technik mit übermäßig viel Kompost. Das ist jedoch falsch. Natural Farming ist hoch wissenschaftlich. Es beruht auf festen Theorien und präziser Beobachtung. Wissenschaft kann nicht länger Wissenschaft genannt werden, wenn sie sich an alte Theorien klammert. Vor allem dann nicht, wenn eine neue Theorie entwickelt wurde, die unverrückbare Resultate und Beweise erbracht hat. Bei Natural Farming beispielsweise wurden die Wachstumsphasen genauestens definiert.

Wie versteht mensch die Wachstumsphasen?

Im Wachstum und in der Entwicklung der Pflanzen gibt es ein Schema. im Laufe der Zeit unterlaufen die Pflanzen eine Reihe von qualitativen Veränderungen:

  • Wachstum
  • Blütenbildung
  • Fruchtbildung
  • Tod

Lasst uns dieses Schema genauer ansehen.

Die Stadien einer Pflanze

Das Leben einer Pflanze ist in zwei übergeordneten Stadien geteilt: Vegetatives und reproduktives Wachstum. Das vegetative Wachstum umfasst die formgebende Entwicklung bis zur voll ausgewachsenen Pflanze. Das reproduktive Wachstum umfasst die Blütenbildung bis zur reifen Frucht.

Der Übergang vom vegetativen zum reproduktiven Wachstum vollzieht sich nicht unmittelbar nacheinander. Erst ab einer bestimmten Konzentration an Kohlehydraten geht die Pflanze ins reproduktive Wachstum über. Die Phase zwischen vegetativen und reproduktiven Wachstum ist die Übergansphase.

Aus physiologischer Sicht ist die vegetative Phase die Aufnahmephase. Es geschieht die Umwandlung von Kohlehydraten und anorganischem Stickstoff in organischen Stickstoff. In der reproduktiven Phase nimmt die Pflanze keine Kohlehydrate mit anorganischem Stickstoff auf, sondern speichert die Kohlehydrate in den Früchten oder anderen Speicherorganen (Speicherphase).

Die Wachstums- und Entwicklungsphasen einer Pflanze haben qualitative und physiologische Aspekte. Der Nährstoffbedarf und die Nährstoffzusammensetzung variiert in den unterschiedlichen Phasen. Mit der Nährstoffkreislauf-Theorie kann Natural Farming die Pflanzen verstehen.

  • Was und wie viel sie brauchen
  • in welchem Stadium sie sich befinden
  • welche Parameter verbessert werden müssen

Die Übergansphase zu definieren und mit menschlicher „Schwangerschaftsübelkeit“ gleichzusetzen ist neu. Mit den sichtbaren Ergebnissen von Natural Farmings „Übergangsphasen-Behandlung“ scheint sich die Theorie zu erhärten.

Beachte den inneren Zustand der Pflanze!

Es ist offensichtlich, dass das Wachstum und die Entwicklung der Pflanzen teilweise von äusseren Einflüssen abhängt (Klima, Regen, Topographie, Bodenzustand …). Es ist überflüssig zu sagen, dass es bei optimalen äusseren Bedingungen eine gute Ernte gibt.

Allerdings sollten wir uns vergegenwärtigen, dass wir selten optimale Bedingungen vorfinden. Wir wissen nie, wann das gewünschte Wetter umschlägt. Die Regenzeiten ändern sich und selbst die Bodenfruchtbarkeit verändert sich ständig.

Darüber hinaus ändert sich der Innere Zustand der Pflanze bei den unterschiedlichen Wachstumsphasen. Die Bedürfnisse in der Kindheit sind anders als bei der Schwangerschaft. Die inneren Stadien lauten:

  • blühen
  • fruchten
  • verfärben
  • reifen
  • ruhen

Die allgemeine Landwirtschaft legt den Schwerpunkt mehr auf die äusseren Bedingungen des Feldes, denn auf innere Entwicklungsphasen der Pflanzen. Wir können die äusseren Bedingungen nicht ändern aber sie verändern sich ständig; wir können uns nicht darauf verlassen.

Die vier Nährstoff-Typen nach Natural Farming Hawaii

Natural Farming unterscheidet vier Nährstofftypen in der Pflanze. Diese Unterscheidung wurde als erstes vom amerikanischen Wissenschaftler Guross Gureville gemacht.

  • Typ I hat viel Wasser und Stickstoff. Kohlehydrate sind minimal. Die Pflanze hat schwaches vegetatives Wachstum und es gibt keine Blütenbildung.
  • Typ II hat relativ viel Wasser & Stickstoff. Es hat ebenso ausreichend Kohlehydrate für aktives vegetatives Wachstum. Trotzdem ist die Blütenbildung schlecht und trägt später keine Früchte.
  • Typ III hat relativ wenig Wasser & Stickstoff. Verglichen mit Typ II ist die Kohlehydrate-Produktion abnehmend aber die Blütenbildung ist kräftig und die Früchte sind gut.
  • Typ IV hat wenig Wasser & Stickstoff. Kein vegetatives Wachstum, keine Fruchtbildung.

Den richtigen Nährstofftypen der Pflanze zu erkennen und das im richtigen Stadium, ist die Kunst von Natural Farmings Nährstoffkreislauf-Theorie. Der Nährstoffkreislauf ist für jede Pflanze und für jedes Tier anders. Die Erkenntnisse von Natural Farming richtig erfassen und gewissenhaft umsetzen ist das Geheimnis von Natural Farming.

N= (Nitrogen/Stickstoff)
C= (Kohlenstoff)
H2o= (Wasser)
C/N= (das Verhältnis zwischen Stickstoff und Kohlenstoff)

Nährstoff-Bedarf
Typ N C H2o C/N
Typ I groß klein groß klein
Typ II mittelgroß mittelklein mittelgroß mittelklein
Typ III mittel mittelgroß mittel mittelgroß
Typ IV klein groß klein groß

Die fünf Elemente der Bodenverbesserung

Im Natural Farming nutzen wir fünf Grudelemente zum Düngen. Zusätzlich zu den herkömmlichen drei Elementen (NPK) hat Natural Farming Kalzium (Ca) und Meerwasser (SW). Sie spielen eine wichtige Rolle beim Ertrag und bei der Qualität.

Kalzium ist Bestandteil der späteren Wachstumsphasen. Und zwar wenn die Pflanze die reproduktive Wachstumsphase erreicht hat (Nährstofftyp II & III), braucht sie Kalzium und Salz. Die Missachtung der Anwesenheit dieser beiden Elemente hat viele Probleme geschaffen.

Schaue dir beispielsweise die physiologischen Störungen bei heutigen Pflanzen an. Bei Früchten oder fruchtendem Gemüse (Tomaten, Gurken …) sind folgende Symptome zu erkennen:

  • blasse Farben
  • nicht vollständig ausgewachsen
  • zu viel Wasser
  • zu viel Säure
  • zu wenig Zucker (Kohlehydrate)
  • matschiges Fruchtfleisch
  • mangelhaftes Aroma, kaum Geschmack

Bei Blattgemüse:

  • Trockenfäule
  • mangehafte Kopfbildung

Bei Wurzelgemüse:

  • Schwammiger oder verholzter Früchtkörper
  • Zuckermangel
  • blasse Farbe
  • Wildwuchs
  • schlechte Lagerfähigkeit

Bei Getreide oder Reis:

  • zu viel Wasser
  • zu wenig Stärke
  • mangelnde Klebkraft
  • Trägheit
  • Wildwuchs
  • schlechte Abwehrkräfte gegen Krankheiten & Ungeziefer

Diese Dinge erscheinen so vielfälltig, dass sie nicht mehr gezählt werden können. Regelmäßige physiologische Störungen stehen eng im Zusammenhang mit der übermäßigen Nutzung von Pestiziden und Insektiziden. Kalzium transferiert und bindet zwischengespeicherte Kohlehydrate in den Speicherorganen. Das bedeutet: Kalzium transportiert die Nährstoffe aus der Verfärbungsperiode zur finalen Speicherung in die Speicherorgane (Früchte, Nüsse). Kalzium ist besonders hilfreich, wenn das Wetter nicht optimal war oder die Saat überwuchert wird.

Natural Farming setzt den Schwerpunkt auf die Speicherphase – das akkumulative Wachstum. Die chemieintensive Landwirtschaft missachtet dieses Stadium und erfährt oft Unvorhersehbares bei der Ernte oder hat mit Ernteeinbußen zu kämpfen.

Natural Farming gibt nur ein Minimum des Notwendigen Stickstoffs hinzu, sodass die Pflanzen ihre Kraft aus sich selbst entwickeln. Sie entwickeln eine starke Photosynthese.

Um gesunde Pflanzen wachsen zu lassen, sollte schnell verfügbarer Stickstoff nicht als Basis für das Anfangswachstum gegeben werden. Aus diesem Grunde bringst du am besten Stickstoffbindende Mikroben in den früheren und mittleren Stadien des vegetativen Wachstums in relativ großer Menge auf.

Phosphorsäure und Kalium sollte zu gleichen Teilen ein oder zwei Mal gegeben werden. Im frühen Stadium der Übergangsphase, wenn die Blütenbildung beginnt, verwenden wir Phosphorsäure. In der Verfärbungs/Erwachsenenphase sind Kalium und Kalzium ratsam. Das ist die Essenz vom Nährstoffkreislauf. Wir erhöhen den Kohlehydrate-Level verglichen mit dem Stickstoffgehalt in der Pflanze (C/N). Stickstoff wird stets so wenig wie möglich verabreicht um die Photosynthese der Pflanze anzuregen. Also sollte das C/N-Verhältnis entsprechend der Vegetativen-, Übergangs- und Reproduktionsphase ansteigen. Der Landwirt sollte seine Pflanzen gewissenhaft betreuen.

  • Fischabfälle als Stickstoff-Dünger
  • Tierknochen für Kalzium-Phosphat
  • Tabakstiele für Kalium
  • Eierschalen für Kalzium
  • Meerwasser/ Meersalz-Wasserlösung

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